Klickarbeit

In diesem Jahr hatte ich bereits einiges Pech bei der Zusammenarbeit mit Medien. Ein Beispiel: Das Magazin „Technology Review“ sagte mir vor vielen Monaten, als das Thema noch kaum präsent war, zu, einen Text über prekäre Labelarbeit im Kontext der Entwicklung von KI-Systemen zu veröffentlichen. Als der Text dann im Juli endlich erscheinen sollte, wird das Thema plötzlich an eine Journalistin abgegeben, die einen neuen Artikel schreibt. In diesem sind zwar noch Interviewschnipsel von mir erhalten, mehr aber nicht. Der Artikel kann hier (kostenpflichtig) nachgelesen werden. Meinen ursprünglichen Text gibt’s in meinem Blog.

Vom Rückgrat der künstlichen Intelligenz

Es gibt Fälle, da instrumentalisieren große IT-Unternehmen Milliarden von Computernutzern, um für sich Arbeit zu leisten. Die Arbeit besteht dabei zumeist aus sogenannten „micro tasks“. Die Abarbeitung derselben erfolgt ohne Entlohnung und häufig ohne Wissen der Betroffenen. Ein Beispiel, an welchem sich dies veranschaulichen lässt, ist der Dienst reCAPTCHA von Google. Zum Einsatz kommen reCAPTCHA etwa dann, wenn man sich bei Onlinediensten anmelden oder Onlineformulare ausfüllen will. Hierbei stoßt man früher oder später auf eine Eingabemaske, in welcher verzerrte Buchstaben erkannt, Straßen- oder Hausschilder korrekt identifiziert oder andere Abbildungen indexiert werden müssen. Die reCAPTCHA dienen der Abwehr von Bots, da die gestellten Miniaufgaben in der Regel nicht automatisiert von Computern gelöst werden können. Dies ist zumindest der vorgeschobene Grund. Faktisch jedoch dienen reCAPTCHA primär dazu, Computern dabei zu helfen, nicht eindeutig erkennbare Buchstaben, Hausnummern oder Straßennahmen aus dem Google Books Projekt sowie Google Street View digital zu erfassen. Somit wirken zahllose Mediennutzer, indem sie reCAPTCHA lösen, an der Verbesserung von Text- und Bilderkennungssoftware mit. Und dies zumeist, ohne es zu wissen.

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Vortrag über Datenarbeit

Bei der Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Kommunikations- und Medienwissenschaft – diesmal fand sie im schönen St. Gallen statt – habe ich über das Phänomen vorgetragen, dass Nutzer digitaler Medien zur „Datenarbeit“ genötigt werden, indem sie durch unscheinbare Microtasks – etwa indem sie Mails als Spam markieren, reCAPTCHA lösen, Bilder markieren, Übersetzungen verbessern etc. – unwissend Systeme der künstlichen Intelligenz verbessern. Faktisch ist die Intelligenz von Maschinen in weiten Teilen eine Akkumulation von durch Menschen gelösten kognitiven Kleinstaufgaben. Die beschriebenen Sachverhalte habe ich im Vortrag insbesondere aus einer gerechtigkeitstheoretischen Perspektive bewertet und dabei problematisiert, dass es großen IT-Unternehmen weitgehend unbemerkt gelungen ist, ein kapitalistisches Verwertungsgeschehen auf undurchsichtige und zumeist nicht-entlohnte Datenproduktions- und Indexierungsarbeiten auszudehnen.