Männlichkeit und Selbstbeherrschung

Wenn man die soziale Welt als ausdifferenzierte Sphäre betrachtet und Klassenbildungen von Herrschenden und Beherrschten beschreibt und diese auf die Geschlechter überträgt, so werden Männer als die Beherrscher und Frauen als die Beherrschten der sozialen Welt erachtet. Man kann nun beschreiben, wie Frauen Konkurrenznachteile in Kauf nehmen müssen und soziale Kämpfe, Güter- und Wertaushandlungsprozesse in der Regel zugunsten der Männer ausgehen. Hier manifestieren sich feministische Positionen, die jedoch vergessen, dass die Männer zwar die Herrscher der sozialen Welt sind, dass sie aber gleichsam zu schweigenden Opfern ihrer eigenen symbolischen Gewalt werden. Es sind die Männer mehr noch als die Frauen, welche emanzipiert werden müssen – nicht gegenüber letzteren, sondern gegenüber sich selbst. Dessen sind sich die Männer freilich nicht bewusst, jedoch verschärft dies ihre ideologische Gefangenschaft umso mehr. Sie sind gefangen in den Verhaltensgesetzen, welche sie sich selbst geschaffen haben, welche sie in einem ewigen, scheinbar unabänderlichen, naturgegebenen Kreislauf reproduzieren und inkorporieren. „Männlichkeit und Selbstbeherrschung“ weiterlesen