Religion und Therapie

Man spricht des Öfteren vom Zerfall der Religionen. Man wähnt, einen globalen sozialen Wandel erkannt zu haben. Doch das Phänomen wird falsch verortet. Richtig wäre, den Zerfall der Religionen zu lozieren allein dort, wo Therapiesysteme expandieren. Andernorts wäre es, allen Beobachtungen zufolge, wohl eher angemessen, von einem Erstarken der Religionen zu reden. Therapeutische Verfahren jedoch lösen dort, wo sie zur Anwendung kommen, religiöse Praktiken des strategischen Identitätsmanagements ab. Sie lösen die religiös institutionalisierten Selbstthematisierungsmodelle ab. Dabei bleibt die funktionale Ausrichtung der Systeme freilich gleich. Beiden, den Religionen als auch den Therapieverfahren, geht es darum, sich um den psychischen Leidensdruck zu „kümmern“ bei Personen, welche nicht imstande sind, diesen Leidensdruck mit eigenen Mitteln zu verwalten. „Religion und Therapie“ weiterlesen