Sadismus und Männlichkeit

Männliche Härte im Spannungsfeld zwischen Naturtatsache und kultureller Performanz wird, in „Unterschichten“ zuvörderst, unter Authentizität verbucht unter Absehung freilich kultureller oder milieubedingter Konfigurationen. Die männliche Identität ist umso mehr Effekt diskursiver Praktiken, je mehr sie auf Naturwüchsigkeit beharrt. Aus der Hegemonie dieses Diskurses entsteht eine gefährliche, „phallogozentristische“ Praxis, die, so möchte man sagen, die Übel dieser Welt beherbergt.

„Die Vorstellung, Männlichkeit bestehe in einem Höchstmaß an Ertragenkönnen, wurde längst zum Deckbild eines Masochismus, der – wie die Psychologie dartat – mit dem Sadismus nur allzu leicht sich zusammenfindet. Das gepriesene Hart-Sein, zu dem da erzogen werden soll, bedeutet Gleichgültigkeit gegen den Schmerz schlechthin. Dabei wird zwischen dem eigenen Schmerz und dem anderer gar nicht einmal so sehr fest unterschieden. Wer hart ist gegen sich, der erkauft sich das Recht, hart auch gegen andere zu sein, und rächt sich für den Schmerz, dessen Regungen er nicht zeigen durfte, die er verdrängen mußte.“ (Adorno, Erziehung nach Auschwitz, in: Heydorn; Simonsohn; Hahn; Hertz (Hrsg.), Zum Bildungsbegriff der Gegenwart, FfM 1967, S. 117) „Sadismus und Männlichkeit“ weiterlesen

Männlichkeit und Selbstbeherrschung

Wenn man die soziale Welt als ausdifferenzierte Sphäre betrachtet und Klassenbildungen von Herrschenden und Beherrschten beschreibt und diese auf die Geschlechter überträgt, so werden Männer als die Beherrscher und Frauen als die Beherrschten der sozialen Welt erachtet. Man kann nun beschreiben, wie Frauen Konkurrenznachteile in Kauf nehmen müssen und soziale Kämpfe, Güter- und Wertaushandlungsprozesse in der Regel zugunsten der Männer ausgehen. Hier manifestieren sich feministische Positionen, die jedoch vergessen, dass die Männer zwar die Herrscher der sozialen Welt sind, dass sie aber gleichsam zu schweigenden Opfern ihrer eigenen symbolischen Gewalt werden. Es sind die Männer mehr noch als die Frauen, welche emanzipiert werden müssen – nicht gegenüber letzteren, sondern gegenüber sich selbst. Dessen sind sich die Männer freilich nicht bewusst, jedoch verschärft dies ihre ideologische Gefangenschaft umso mehr. Sie sind gefangen in den Verhaltensgesetzen, welche sie sich selbst geschaffen haben, welche sie in einem ewigen, scheinbar unabänderlichen, naturgegebenen Kreislauf reproduzieren und inkorporieren. „Männlichkeit und Selbstbeherrschung“ weiterlesen