Sadismus und Männlichkeit

Männliche Härte im Spannungsfeld zwischen Naturtatsache und kultureller Performanz wird, in „Unterschichten“ zuvörderst, unter Authentizität verbucht unter Absehung freilich kultureller oder milieubedingter Konfigurationen. Die männliche Identität ist umso mehr Effekt diskursiver Praktiken, je mehr sie auf Naturwüchsigkeit beharrt. Aus der Hegemonie dieses Diskurses entsteht eine gefährliche, „phallogozentristische“ Praxis, die, so möchte man sagen, die Übel dieser Welt beherbergt.

„Die Vorstellung, Männlichkeit bestehe in einem Höchstmaß an Ertragenkönnen, wurde längst zum Deckbild eines Masochismus, der – wie die Psychologie dartat – mit dem Sadismus nur allzu leicht sich zusammenfindet. Das gepriesene Hart-Sein, zu dem da erzogen werden soll, bedeutet Gleichgültigkeit gegen den Schmerz schlechthin. Dabei wird zwischen dem eigenen Schmerz und dem anderer gar nicht einmal so sehr fest unterschieden. Wer hart ist gegen sich, der erkauft sich das Recht, hart auch gegen andere zu sein, und rächt sich für den Schmerz, dessen Regungen er nicht zeigen durfte, die er verdrängen mußte.“ (Adorno, Erziehung nach Auschwitz, in: Heydorn; Simonsohn; Hahn; Hertz (Hrsg.), Zum Bildungsbegriff der Gegenwart, FfM 1967, S. 117) „Sadismus und Männlichkeit“ weiterlesen