Sprachspielirrungen

„Eine andere Möglichkeit wäre es gewesen, einen sogenannten populärwissenschaftlichen Vortrag zu halten, also einen Vortrag, der ihnen weismachen soll, Sie verstünden etwas, was Sie in Wirklichkeit gar nicht begriffen haben, was hieße, einen der nach meiner Überzeugung schnödesten Wünsche des modernen Menschen zu befriedigen, nämlich die oberflächliche Neugier auf die jüngsten wissenschaftlichen Entdeckungen.“ (Wittgenstein, Vortrag über Ethik und andere kleine Schriften, FfM 1989, S. 9)

Sentenzartig kann dann angetäuscht werden, ein dezidiert wissenschaftliches Sprachspiel zu beherrschen. Aber die nötige „Tiefe“ fehlt und das Durchhalten der Fähigkeit, variierende Anwendungsfälle begrifflich plausibilisieren zu können. Ein prätentiöser Sprachstil wird zum Selbstzweck. Das Spezialistentum dagegen legitimiert Komplexitätssteigerung im Vokabular; doch gerät es in die Gefahr, selber engstirnig zu werden.  „Sprachspielirrungen“ weiterlesen

Zum Habitus des Berufswissenschaftlers

Wenn man die Prinzipien der Athletik auf das Feld der Wissenschaft überträgt, geraten einige, zumeist verborgenen Funktionsprinzipien dieses Feldes in den Blick. Wie der Läufer Kilometer sammelt und Fitnesspotentiale akkumuliert, so sammelt der an Theorie orientierte Wissenschaftler Textmengen unter dem Ziel, neben den externen Wissensarchiven gleichsam ein „internes“ Archiv, einen Speicher konzentrierten Wissens anzulegen. Berufstheoretiker messen ihre Kondition, ihr „In-Form-Sein“ daran, in den Sprachspielen der eigenen Themenressorts Virtuositätssteigerungen anderer Wissenschaftler kontern zu können, um auf dem Markt der Glaubwürdigkeitszuteilung möglichst große Anteile abgreifen zu können. „Zum Habitus des Berufswissenschaftlers“ weiterlesen