Trolle in der Filterblase

“[…] profiles will begin to normalize the population from which the norm is drawn. The observing will affect the observed. The system watches what you do; it fits you into a pattern; the pattern is then fed back to you in the form of options set by the pattern; the options reinforce the pattern; the cycle begins again.” (Lessig, Code. Version 2.0, New York 2006)

Auf den einschlägigen Internetplattformen selegieren Algorithmen, mit welchen Sinnangeboten Nutzer in Kontakt kommen und mit welchen nicht. Die Entscheidung darüber, mit welchen Informationen, Posts oder Nachrichten Nutzer bei der Google-Suche, im Newsfeed bei Facebook, den Kaufvorschlägen bei Amazon, den Meldungen bei den Yahoo News etc. konfrontiert werden, hängt von vergangenem Surfverhalten ab, von ermittelten Interessen, von ideologischen Ausrichtungen und weiteren personenbezogenen Eigenschaften. Durch jene als digitale Gatekeeper fungierenden Algorithmen kann das Risiko, mit unerwünschten Informationen in Kontakt zu kommen, reduziert werden. Tatsächlich aber ist dieses Risiko eines, welches gezielt gesucht und erhöht werden sollte. Continue reading “Trolle in der Filterblase”

Design und Medienwirkungen bei Social Media Plattformen

Unternehmen wie Facebook, Twitter oder YouTube, welche einschlägige Social-Media-Plattformen betreiben, möchten nach außen hin den Anschein erwecken, ihre Mission bestünde darin, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, Menschen zu vernetzen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, Ideen oder Informationen zu teilen. Faktisch aber sind die wesentlichen Handlungsziele, welche die genannten Organisationen verfolgen, primär ökonomischer Natur. Demnach richten sich auch die Entscheidungen, welche das Design beziehungsweise die algorithmische Gestaltung der betriebenen Plattformen ausmachen, an ökonomischen Zielgrößen aus. Dies hat aufgrund der immensen Macht, welche die benannten Plattformen beispielsweise über die Gestaltung des öffentlichen Diskurses oder die politische Lage von Gesellschaften haben, in den letzten Jahren zu einigen durchaus als sehr negativ zu bewertenden gesellschaftlichen Entwicklungen geführt, welche es abzuwenden gilt. Um dies zu erreichen, liegt es nahe, das Design der Plattformen zu verändern, sodass sich auch ein anderes Nutzerverhalten manifestieren kann. Dies jedoch bedeutet gleichzeitig, dass bisherige Datenökonomiemodelle gewisse Einschränkungen erfahren. Eine solche Einschränkung ist angesichts der immensen gesamtgesellschaftlichen Medienwirkungen, welche die genannten Plattformen zeitigen, dringend geboten. Wie mit einem verbesserten Plattformdesign aktuelle Probleme rund um digitale soziale Netzwerke adressiert werden können, soll im Folgenden überblicksartig konkretisiert werden. Continue reading “Design und Medienwirkungen bei Social Media Plattformen”

Virtuelle Lebenswelten

Der Mensch ist das mit der Technologie verschmelzende Tier. Dabei wird die Idee des Menschen obsolet. Cyborgs betreten das Feld – zumeist in Form von Einheiten aus Mensch und Smartphone. Zunehmend übernimmt letzteres das “Denken”.

“As computational resources are increased, systems’ architectures naturally progress from stimulus – response, to simple learning, to episodic memory, to deliberation, to meta-reasoning, to self-improvement and to full rationality.” (Omohundro, Autonomous technology and the greater human good, in: Journal of Experimental & Theoretical Artificial Intelligence, 2014, S. 4)

Der Mensch ist ein langsamer, irrationaler und fehlerhafter Entscheider. Gegenüber der Technologie erscheint er schlicht als veraltetes Model. Er flüchtet sich zurecht in die Technologie. Er erwartet von ihr mehr als von anderen Menschen (vgl. Turkle, Alone Together. Why We Expect More from Technology and Less from Each Other, New York 2011). Er interagiert mit sozialen Robotern, Substituten des Menschen, oder mit Cyborgs, doch immer weniger mit seinesgleichen. Virtuelle Welten bilden die eigentliche Lebenswelt. Hier stößt er auf eine resonante Welt, eine Welt voller vermeintlicher Anerkennung – und auf eine Welt, in der er so sein kann, wie er sein möchte.

Continue reading “Virtuelle Lebenswelten”